Away From the World
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Silvester

 
Mit leuchtenden Augen beobachtete er sein Opfer. „Komm näher, komm näher“, dachte er und war jeder Zeit bereit, anzugreifen. Diesen Jemand zu töten.
Er fühlte sich gut. Es war der perfekte Zeitpunkt. Niemand würde es wohl merken, niemand würde später mehr drüber reden. Es würde in Vergessenheit geraten, so wie alles andere, was er getan hatte. Er hatte schon so viele Seelen aus ihren Körpern befreit, hatte so viele Leben ausgelöscht, dass er es gar nicht mehr zählen konnte.
Es war dieser Trieb in ihn. Ein Trieb zum töten. Ein Trieb, über Tot und Leben zu entscheiden. Ein Trieb, den die Natur ihm gegeben hatte und gegen den er nichts machen konnte. Selbst wenn er wollte...
Er fixierte sein Opfer, hatte sich hinter einem Busch versteckt und verweilte still. Nur seine Augen bewegten sich.
Töten. Töten. Töten. Töten. Töten. Immer wieder töten.
 
Maike war in schlechterer Laune. Es war Silvester, kurz vor Mitternacht und gleich würden die Leute anfangen zu knallen.
Jetzt war sie vor die Tür getreten, um ihren Kater zu suchen. Sie wollte ihn heute zu Haus behalten, wollte das ihm nichts passiert. Den ihr Kater war leicht schreckhaft.
Fast als einziger Mensch war Maike noch draußen. Jedenfalls an diesen Platz. Es hatten sich einige Leute versammelt, um gemeinsam ihre Böller zu starten., doch in dieser Straße war heute Nacht nichts los. 
Für einen Mörder das perfekte Opfer, am perfekten Ort.
Maike hörte ein rascheln. „Columbo? Komm her, ich habe auch leckeres Fressen“, rief sie, doch den Kater sah sie nicht.

Jetzt musste er zuschlagen. Er wusste es einfach. Genau jetzt.
Er kam aus seinen Versteck, schaute das Opfer mit seinen leuchtenden, grellen Augen an. Es war erschreckt, wollte flüchten, doch er hielt es auf. „Du hast keine Chance“, sagte er wortlos in die kalte Abendluft, in der gleich ein Mord passieren würde.
Nun drehte sich seine Beute um, wollte in die andere Richtung laufen, doch wieder war er schneller.
 
Plötzlich, ein Knall.
Er fuhr zusammen. Was war das? Wieder ein Knall. Was passierte hier? Knall.
Sein Opfer war verschwunden, geflüchtet.
Er würde es wieder finden, und es dann... Knall.
Er rannte. Wollte nur weg von diesen Geräuschen.
 
„Columbo, na endlich. Jetzt komm schon schnell rein“, sagte Maike, als ihr Kater auf sie zulief.